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Geschichte der Abteilung

Entstehung und Werden der Abteilung für Elektrotechnik

Die Geburtsstunde der Bundesgewerbeschule in St. Pölten ist mit dem Datum des 23. September 1946 unauslöschlich verbunden. 79 Schüler, davon 39 in der Elektrotechnik - Abteilung, wurden unter der Leitung von Dipl.-Ing. Alfred Kugelgruber von acht Lehrern unterrichtet.

Nicht nur die Schule, sondern auch die Abteilung für Elektrotechnik feierte 1996 ihr 50 jähriges Jubiläum. Diese Abteilung ist heute noch so attraktiv, daß sie es nicht für notwendig befunden hat, ihren Namen zu ändern.

Als Grundlage der Ausbildung diente das sogenannte "Ischler Programm". In diesem wird als Ausbildungsziel eine handwerkliche, fachtheoretische und allgemeinbildende Ingenieurausbildung verankert, mit der auch die Hochschulreife erlangt werden soll. Da mit dieser Ausbildung auch die Gewerbeberechtigung verbunden war, lag die Zielgruppe für den Einsatz der Absolventen in den österreichischen Klein- und Mittelbetrieben. Es war der Grundstein für die weitere Entwicklung des technischen Schulwesens in Österreich. Die fünfjährige "BGSch", wie sich dieser Schultyp damals nannte, wurde in eine Art "Unterstufe und Oberstufe" gegliedert. Am Ende des zweiten Jahrganges fiel die Entscheidung, ob das Studium an der Höheren Abteilung (Reifeprüfung, Ingenieur) - weitere drei Jahre - oder in der Fachschule - ein weiteres Jahr - abzuschließen war. Kriterium für das Aufsteigen in die Höhere Abteilung war eine Genügend - Klausel. Aus meiner Sicht als ehemaliger Schüler ein sehr umstrittenes Auswahlverfahren.

Im Schuljahr 1950/51 maturierte der erste Jahrgang mit 21 Schülern an der Abteilung für Elektrotechnik. Der wichtigste Schritt für das Weiterbestehen der Schule war damit gesetzt. Die Abteilung für Elektrotechnik schuf sich damit einen festen Platz im Bewußtsein des Ministeriums, der Bevölkerung, des Gewerbes und der Industrie.

Im Jahre 1959 wurde mit Pany Dipl.-Ing. Friedrich Pany, einem ruhigen, besonnenen Mann, der erste Fachvorstand bestellt. Er blieb bis zur Ernennung zum Landesschulinspektor im Jahre 1963 im Amt. Dipl.-Ing. Pany unterrichtete die Gegenstände "Grundlagen der Elektrotechnik, Elektrische Anlagen und Elektrische Maschinen". Sein Bemühen zielte in erster Linie darauf ab, den Absolventen die notwendige Anerkennung in Wirtschaft und Gesellschaft zu verschaffen.

Als sein Nachfolger übernahm Dipl.-Ing. Rudolf Kreißl 1964 die Leitung der Abteilung. Die Entwicklung der Elektrotechnikabteilung ging unter ihm kontinuierlich weiter: Klassen und Schülerzahlen stiegen weiter, die Abteilung platzte bald aus allen Nähten.

Ab dem Schuljahr 1965/66 wurde die Fachschule von der Höheren Abteilung getrennt und als eigene Schulform geführt. Die bei der Aufnahmsprüfung erreichte Punktezahl entschied nun über den Besuch der Höheren Abteilung oder der Fachschule.

Die Ausbildungszeit in der Fachschule dauert seitdem vier Jahre und endet mit einer eigenen Abschlußprüfung praktischer und theoretischer Art.

Erstmals im Schuljahr 1970/71 wurde mit einer Abendschule für Berufstätige an der Abteilung begonnen. Laut Lehrplan umfaßt diese Art der Ausbildung einen Vorbereitungslehrgang und weitere acht Semester. Obwohl die Wochenstundenzahl nur 25 Stunden im Gegensatz zur Tagesschule mit 39 Stunden beträgt, sind die physischen und psychischen Anforderungen, um neben der beruflichen Tätigkeit das Studium betreiben zu können, sehr groß.

Im Herbst 1972 wurde Dipl.-Ing. Rudolf Rigler, seit 1957 Lehrer an der Schule, zum Direktor ernannt, ein Elektrotechniker mit großer Industrieerfahrung und Dynamik. Dementsprechend war die Hochachtung der Schüler, die den gewaltigen Innovationsschub in seiner Unterrichtsgestaltung zu verkraften lernen mußten. Er unterrichtete alle zur damaligen Zeit im Lehrplan vorgesehenen technischen Gegenstände. Man sagte ihm nach, daß er bei seinem intensiven Unterricht sehr oft, zum Leidwesen der Schüler, das Klingelzeichen überhörte.

Sein großer Verdienst war der Neubau der Schule und das ständige Engagement für die Umsetzung neuer Ideen. Die Abteilung für Elektrotechnik war daher bei jeder Lehrplanreform an führender Stelle eingebunden.

Seit 1984 ist der Verfasser dieser Zeilen, Dipl.-Ing. Hermann Weber, seit 1966 Lehrer an der Schule, Abteilungsvorstand für Elektrotechnik. Sein Bemühen war, in der Fachrichtung der Elektrotechnik ab 1986 die beiden Ausbildungszweige "Elektrische Energietechnik und Leistungselektronik" und "Steuerungs- und Regelungstechnik" anzubieten. Damit ist der Schulversuch "Elektrotechnik, Steuerungs- und Regelungstechnik" seit dem Schuljahr 1981/82 fest installiert.

Ein Problem ist nun die rasche "Veralterung" des Lehrplans, dessen Überarbeitung mit der immer schneller fortschreitenden Entwicklung nicht mehr Schritt zu halten scheint. Dies führt letztlich - gerade bei einer praxisorientierten Ausbildung - zu einer relativen Verschlechterung des Ausbildungsniveaus. Es ist daher notwendig, die Lehrpläne flexibler zu gestalten, um auf die neuen Anforderungen rascher reagieren zu können.

Ein weiteres Problem ist die budgetäre Lage der HTBL u. VA St. Pölten. Da die Abteilung für Elektrotechnik immer sehr innovativ war, trifft der Sparwille der Bundesregierung - Kürzung des Schulbudgets bis 50% - die Abteilung besonders hart. Im Dezember 1995 wurde daher von namhaften Personen der Wirtschaft und Professoren der Elektrotechnik ein Verein mit dem Namen "Freunde der Elektrotechnik" gegründet. Der Vorstand, dessen Tätigkeit ehrenamtlich ist, und der Verein, der nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, bezwecken die Förderung von Vorhaben der E - Abteilung an der HTL St. Pölten.

Das mit April 1996 vom Parlament beschlossene Sparpaket belastet die Schulen nicht nur in budgetärer Hinsicht, sondern es enthält auch die Verpflichtung für die Höheren Technischen Lehranstalten, das Gesamtausmaß der Ausbildungszeit von 200 Wochenstunden auf 195 Wochenstunden zu reduzieren. Die Details der Reduktion bleiben den Schulen überlassen, wobei aufgrund der Verordnung über die "Schulautonomie" (Entwurf des BMUK Z1.13.898/1-III/2/96) folgende Randbedingungen zu beachten sind:

  • Pro Schuljahr dürfen maximal drei Wochenstunden verändert werden.
  • Die Summe der Wochenstunden im Schuljahr muß zwischen 38 und 40 liegen.
  • Die Gesamtsumme der Unterrichtseinheiten über alle fünf Jahre muß 195 betragen.
  • "Einstündige" Gegenstände und der Gegenstand "Religion" sind von der Reduktion ausgeschlossen.

Die Festlegung der Reduktion hat durch den SchGA (Schulgemeinschaftsausschuß) zu erfolgen, wird dieser nicht tätig, dann muß die Schulbehörde I. Instanz (in NÖ der Landesschulrat) entsprechende Reduktionen bescheidmäßig erlassen.

Nach Gesprächen mit Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern wurde vom SchGA am 26. 4. 1996 folgender Vorschlag einstimmig beschlossen:

Die Stundenkürzung auf 39 Unterrichtseinheiten/Jahrgang wurde in Hinblick auf die neue Lehrplangeneration folgendermaßen vorgenommen.

1. Jahrgang: Reduktion des Pflichtgegenstandes Grundlagen des Maschinenbaues um eine Unterrichtseinheit.

2. Jahrgang: Reduktion des Pflichtgegenstandes Darstellende Geometrie um eine Unterrichtseinheit.

3. Jahrgang: Reduktion des Pflichtgegenstandes Werkstätte um eine Unterrichtseinheit

4. Jahrgang: Reduktion des Pflichtgegenstandes Maschinenkunde um eine Unterrichtseinheit

5. Jahrgang: Reduktion des Pflichtgegenstandes Elektronik und Mikroelektronik um eine Unterrichtseinheit

Im Schuljahr 1997/98 soll eine neue Lehrplangeneration mit folgender Zielsetzung in Kraft treten:

  • Stundenreduktion
  • Verstärkung der Fachgebiete Fremdsprachen, Persönlichkeitsbildung, Wirtschaft und Recht, Politische Bildung, Umwelt und verstärkter Projektunterricht
  • Lehrplanautonomie für die Schulen
  • Zwei Ausbildungsschwerpunkte in der Abteilung für Elektrotechnik ab dem dritten Jahrgang.

    Energietechnik und industrielle Elektronik

    Regelungstechnik (Prozeßleittechnik)

Mein künftiges Bemühen muß darauf gerichtet sein, die praxisorientierte Ausbildung - ein Markenzeichen der HTL - zu erhalten. Weiters ist es mir ein Anliegen, daß auf dem Gebiet neuer Technologien und des Wissenstransfers die Abteilung für Elektrotechnik weiterhin am Puls der Zeit bleibt.

Im Schuljahr 2000/2001 wurde der Lehrplan der Höheren Abteilung für Elektrotechnik um den zusätzlichen Ausbildungsschwerpunkt Informationstechnik erweitert. Die Lehrer der HTL St. Pölten waren an der Entwicklung dieses neuen, modernen Lehrplans maßgeblich beteiligt.

Ziel dieses Schwerpunkts ist es, den Schülern eine verstärkte Ausbildung auf dem Gebiet der Informationstechnik im gesamten Bereich der Elektrotechnik zu geben, um so dem ständig steigenden Bedarf an facheinschlägig ausgebildeten Informationstechnikern gerecht zu werden.

Der neue Ausbildungsschwerpunkt wurde in der Abteilung Elektrotechnik im dritten Jahrgang eingeführt und erfreut sich, wie die steigenden Schülerzahlen beweisen, ständig steigender Beliebtheit.


Mit Beginn des Schuljahrs 2001/2002 habe ich, DI Hermann Binder, die Leitung der Abteilung Elektrotechnik übernommen.

 


Autor: AV DI Hermann Weber
AV DI Hermann Binder

Datum der letzten Aktualisierung: 01/03
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