Abteilungen

Benutzeranmeldung

Urban Mining - Die Stadt als Sekundärmine

Die beiden zweiten Klassen der Abteilung Elektrotechnik der HTL St. Pölten gewinnen mit Ihrer Chemieprofessorin Mag. Dorothea Mayr  einen Hauptpreis beim diesjährigen Projektwettbewerb des Vereins der Chemielehrer/innen Österreichs!

Der Titel des so erfolgreichen Projektes lautet:  Urban Mining - Städte als Sekundärminen

Die teilnehmenden Klassen der Abteilung Elektrotechnik der HTL St. Pölten versuchen mit dem Projekt „Urban Mining“ auf bestmögliche Wiederverwertung von Konsumgütern und die damit verbundene Ressourcenschonung hinzuweisen.

 

„Urban Mining ist mehr als nur Recycling, es sieht Mülldeponien als die „Goldgruben“ von morgen. Daher brauchen wir informierte und gut ausgebildete Technikerinnen und Techniker, die bekannte Methoden anwenden und neue Recyclingideen entwickeln. Ziel war es, dass Schülerinnen und Schüler über das Thema informiert werden und sich eine eigene Meinung bilden, ihr Wissen vertiefen und es weiter geben. Nachdem das Thema sehr gut mit dem Lehrplan für Naturwissenschaftliche Grundlagen in den zweiten Klassen zusammen passt, haben wir uns intensiv damit auseinander gesetzt und auch andere Fächer wie Deutsch, Englisch und die Werkstätte mit einbezogen“ meint die zuständige Projektleiterin Mag. Dorothea Mayr.

Projekt-Schwerpunkt war HANDY- Recycling.  Zuerst gab es Referate zum Thema Recycling und Urban Mining um allen Schülerinnen und Schülern einen guten Überblick über das Thema zu geben und dann ging es hauptsächlich um Metalle, die in Handys verwendet werden, deren Stellung im Periodensystem, Herstellung und um deren Effekt auf die Umwelt. Soziale, politische und umweltrelevante Gesichtspunkte wurden diskutiert. Handys und Akkus wurden zerlegt, die gefundenen Metalle dokumentiert und mit den entsprechenden Mineralien im Rohstoffkoffer verglichen.

Die Exkursion zur MBA und Müllsammelstelle St. Pölten, zur Firma Buntmetall Amstetten und zur Firma Egger-Holz in Unterradlberg brachten den nötigen praxisnahen Einblick. Wichtiger Aspekt im Projekt war auch die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler zu fördern:  Wer kümmert sich darum, dass die Mülltrennung in der Klasse funktioniert? Wer dokumentiert die einzelnen Projektschritte? Wer sammelt wo Handys? Wer bindet den Abteilungssprecher ein? Wer macht Plakate und Facebook-Einträge, sowie den Aufruf zum Handysammeln?

Ja, es hat gut funktioniert! Viele Schülerinnen und Schüler denken auch in der Freizeit an „Urban Mining“ und bringen dazu passende Zeitungsartikel in die Schule mit oder schicken Links von passenden Artikeln in Online-Zeitungen, nehmen Filme auf oder finden zum Thema passende Filme auf YouTube, die dann gemeinsam in der Klasse angeschaut und diskutiert werden. Selbst bei den Pfadfindern, der Freiwilligen Feuerwehr oder in der Pfarre wird darüber gesprochen und werden Handys gesammelt. Bei einigen Schülerinnen und Schülern sammeln die Eltern sogar am Arbeitsplatz. Viele Kolleginnen und Kollegen in der Schule lesen die Plakate und bemerken die zusätzlich aufgestellten Müllbehälter zum Sammeln von Aluminium und PET-Flaschen. Sie fragen nach und interessieren sich, bringen eigene Ideen und Erfahrungen ein und ihre alten Handys mit. Unser Abteilungsvorstand ist ebenfalls sehr interessiert, postet auf Facebook zu dem Thema, stellt Fotos vom Handyzerlegen und von den Exkursionen online und entwickelt die tollsten Ideen für die Zukunft. Der erhoffte Dominoeffekt ist tatsächlich eingetreten und es ist wirklich eine Freude mitzuerleben welche Kreise dieses Projekt zieht.

Statements zum Projekt:

Schüler: Christoph Seitlhuber

Am besten gefallen hat mir die Exkursion nach Amstetten zur Firma Buntmetall und das Zerlegen der Handys in ihre Bestandteile.
Mir persönlich liegt es seit dem Projekt sehr am Herzen, dass ich besonders auf Recycling achte, da wir beim Projekt "Urban Mining" sehr genau über die Wichtigkeit von richtiger Mülltrennung und Recycling gelernt haben.

Schüler: Daniel Rohrhofer

Was hat dich beim Projekt Urban Mining am meisten bewegt und was hast du persönlich davon profitiert?

Meisten Bewegt:

Bei den Recherchen über das Thema Urban Mining habe ich persönlich sehr viel Neues gelernt, welches ich vor dem Projekt nicht gewusst habe. Bei dem Thema Urban Mining geht es hauptsächlich darum, das sehr viele Rohstoffe die sehr selten vorkommen, in den Städten vorzufinden sind, man müsste diese Rohstoffe wieder richtig recyceln und zurückführen, dabei kann man sehr viel Ressourcen sparen und den Raubbau an der Natur reduzieren. Ich persönlich finde, dass der Raubbau nicht in diesen Maß notwendig ist, weil Recyceln ganz einfach geht und  es spart nebenbei auch sehr viel Energie.

Persönlich profitiert:

Bei dem Projekt habe ich persönlich am meisten profitiert, da ich nun besser Bescheid weiß über richtiges Recyceln und wie man mit kleinen Schritten sehr viel Energie und Ressourcen sparen kann, nur als Beispiel: In einer Tonne Alt Handys ist mehr Gold enthalten als in einer Tonne Golderz, welches unter schwierigsten Bedingungen abgebaut werden muss und mit sehr giftigen Substanzen behandelt werden muss um an das Gold zu kommen, obwohl es viel einfacher wäre diese richtig zu recyceln.

Durch dieses einfache Beispiel sieht man was für ein Potenzial im richtigen Recyceln liegt.

Allgemeines zur Thematik:

Vorteile von Urban Mining:

  • Spart Energie (z.B. Recycling Alu benötigt nur 5% der Energie der Herstellung von Primäraluminium)
  • Schadstoffentlastung: Klima- und Umweltschutz
  • Ressourcenschonung
  • Schonung der natürlichen Lagerstätten (z.B. Regenwald)
  • Vermeidung von Bürgerkriegen: Sehr oft werden in afrikanischen Ländern blutige Bürgerkriege mit dem Geld, das durch den Abbau von Mineralien wie Coltan verdient wird, finanziert. Menschen, auch Kinder, werden ausgebeutet, die Umwelt zerstört.
  • Verringert globale Abhängigkeiten: Wenn die westlichen Industrieländer schon kaum abbauwürdige Bodenschatzvorkommen haben, sollten sie wenigstens, die Stoffe recyclieren, die sie bereits verwenden und nicht Elektroschrott exportieren.
  • Abfallreduktion: kleinere Restmüllberge
  • Metallrecycling oft ohne Qualitätsverlust
  • Technischer Fortschritt wird gesteigert.
  • Kohlendioxidemissionen werden weniger
  • Abgasreduktion

Größte Probleme von Urban Mining:

  • Das recyclingfähige Material muss getrennt gesammelt werden: Handys dürfen nicht in den Schubladen liegen bleiben oder auf dem Restmüll landen.
  • Es muss richtig wiederaufbereitet werden: das passiert sicher nicht, wenn PCs am Strand von Ghana von Minderjährigen unsachgemäß verwertet werden.
  • Entwicklungshilfe, falsch verstanden.
  • Die Zusammensetzung sollte bekannt sein: Wenn ein Produkt entsteht sollte bereits auf dessen Wiederverwertung geachtet werden, d.h.: möglichst wenige verschiedene Rohstoffe verwenden, Zusammensetzung sollte bekannt sein, auf leichte Trennbarkeit  sollte geachtet werden. Funktioniert bei Autos und Flugzeugen schon ganz gut (Massenproduktion, alle gleich), bei Gebäuden noch sehr schlecht (jedes Haus ist anders).
  • Information: Die Bevölkerung muss informiert sein über die Vorteile von Urban Mining. Vor allem Meinungsmultiplikatoren, wie Lehrer, sollten sich gut auskennen und ihr Wissen an Schülerinnen und Schüler und deren Eltern weitergeben.
  • Techniker: Wir brauchen informierte und gut ausgebildete Techniker, die bekannte Methoden anwenden können und neue Recyclingideen entwickeln.
  • Motivation: Eventuell sollte man auch auf Handys,… ein Pfand einheben um die Bevölkerung zu motivieren sie wieder zurückzubringen. (Es reichen ja oft geringe Beträge, wie man bei den Bierflaschen sieht.)