DIE AUSBILDUNG AN DER ABTEILUNG ELEKTROTECHNIK

50 Jahre HTL-St. Pölten sind gleichbedeutend mit 50 Jahren Abteilung Elektrotechnik. Bezogen auf ein Menschenleben sind 50 Jahre nicht viel, sie sind jedoch eine Ewigkeit, wenn man die Zeitspanne auf den technischen Fortschritt bezieht.

Abgesehen von der Tatsache, daß die physikalischen Grundlagen nach wie vor gültig sind - zum Leidwesen der Schüler gelten Ohm´sches Gesetz, Kirchhoff´sche Maschengleichungen und die damit verbundenen Verrechnungsmöglichkeiten noch immer, hat sich doch der Aufgabenbereich des Elektrotechnikers grundlegend geändert. Diesen geänderten Anforderungen wird durch die Ausbildung an der Abteilung Elektrotechnik Rechnung getragen.

Während die Schwerpunkte der elektrotechnischen Ausbildung früher bei der Vermittlung von reinem Grundlagenwissen und dem Bau und Betrieb von elektrischen Maschinen und Anlagen waren, verlangen die neuen Technologien die Vermittlung neuer Inhalte und Fertigkeiten. Der junge Ingenieur sieht sich mit zwei zum Teil einander widersprechenden Anforderungen konfrontiert. Zum einen ist ein umfassendes Grundlagenwissen Voraussetzung für die Mobilität und Flexibilität im künftigen Berufsleben, zum anderen ist eine gewisse Spezialisierung gefordert, um einen möglichst leichten Berufseinstieg zu gewährleisten. Daß entsprechende Fremdsprachenkenntnisse erforderlich sind, um auf dem internationalen Arbeitsmarkt zu bestehen, ist selbstverständlich. Insbesonders alle Technologien, die rund um die schnellebige Elektronik- und Computerindustrie existieren, stellen eine große Herausforderung sowohl für Schüler als auch für Lehrer dar.

Neben den klassischen elektrotechnischen Gegenständen wie elektrische Anlagen und elektrische Maschinen, liegt heute der Schwerpunkt der Ausbildung auf dem Gebiet der Leistungselektronik, der Mikroelektronik und der EDV-Anwendung.

Im Gegenstand Elektronik und Mikroelektronik wird dem Schüler neben dem Grundlagenwissen über elektronische Komponenten und Grundschaltungen in den höheren Jahrgängen vor allem Entwurf, Bau, Betrieb und Programmierung von Mikrocomputersystemen nahegebracht.

Die Lehrinhalte des Gegenstands Elektrische Maschinen und Stromrichter umfassen neben den Berechnungsgrundlagen vor allem den Einsatz und Betrieb der verschiedenen Maschinentypen. In diesem Zusammenhang stellt die Leistungselektronik einen wichtigen Schwerpunkt dar. Durch die rasante Entwicklung dieser Technologie sind heute elektronische Komponenten (und die damit verbundenen Probleme) in Bereiche vorgedrungen, die noch vor wenigen Jahren der klassischen Elektrotechnik vorbehalten waren.

Eines der wichtigsten Werkzeuge des Technikers in der heutigen Zeit ist der Computer. Es wird daher frühzeitig begonnen, die Schüler mit diesem Werkzeug vertraut zu machen. Der Bogen spannt sich vom computergestützten Konstruieren bis hin zu speziellen, für den Elektrotechniker wichtigen Entwurfs- und Berechnungswerkzeugen. Daß dazu auch eine umfassende Ausbildung in den aktuellen Programmiersprachen und den gängigsten Softwarepaketen gehört, ist selbstverständlich. Wichtig ist dabei vor allem die Vermittlung von Grundprinzipien, da in unserer schnellebigen Zeit Softwarepakete sehr rasch veralten, während z.B. das Prinzip einer Tabellenkalkulation von den verschiedensten Versionen unberührt bleibt.

In der Meß-, Steuer- und Regelungstechnik erhält der Schüler eine Ausbildung für den Entwurf und Betrieb von Automatisierungssystemen mit vorwiegend elektrischem Aufbau, ebenso wie für Meß- und Überwachungssysteme und Steuer- und Regelungsanlagen. Auch aktuelle Regelungskonzepte, z.B. auf der Basis von Fuzzy Logik, werden hier vermittelt.

Zur Abrundung und Vertiefung hat der Schüler die Möglichkeit, im Gegenstand Konstruktionsübungen anhand fächerübergreifender Projekte das Zusammenwirken der einzelnen Gegenstände zu erlernen. Im Abschlußjahrgang arbeiten die Schüler während des gesamten Schuljahrs an einem einzigen Projekt. Hier können sie von der Projektidee über Materialbeschaffung bis hin zur Inbetriebsetzung und Dokumentation die gesamte Bandbreite des Technikerlebens kennenlernen und erhalten dadurch eine optimale Vorbereitung auf das Berufsleben.

Neben all dem theoretischen Wissen darf jedoch auch dessen praktische Umsetzung nicht vernachlässigt werden. In der Werkstätte erlernt der Schüler alles, was zur handwerklichen Grundausrüstung des Elektrotechnikers gehört. In den verschiedenen Laboratorien werden die in den Theoriegegenständen erlernten Prinzipien untersucht und getestet.

Im Zeitalter des lebenslangen Lernens reicht das in der Schulzeit erworbene Wissen auf manchen Gebieten nur für die ersten drei bis fünf Berufsjahre. Eine konsequente berufsbegleitende Weiterbildung erlaubt es dem Absolventen, sein Fachwissen laufend zu aktualisieren und so seine Karrierechancen zu verbessern.


Autor: Hermann Binder
Datum der letzten Aktualisierung: 09/02
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